Die Geschichte des Hauses Nr. 57- ehemals 53

Das Haus Nummer 57 wurde zum ersten Mal 1527 als Lehen und Hofstatt von der Familie Graß Nicl erwähnt.

Seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts sind vielfach wechselnde Bürger als Besitzer verzeichnet.

Das Gebäude ist seit Mitte des 16. Jahrhunderts mit der Bäckergerechtsamen ausgestattet.. Die Kernsubstanz des Gebäudes im östlichen Teil reicht noch in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück.

1779 erwarb Franz Ehrenhöfer das Gebäude und baute es 1792 um und ließ es neu fassadieren.

1880 kauften den Besitz Franz und Theresia Stangl.

In der Zwischenkriegszeit war es auch das Stammlokal des örtlichen Schützenvereines. Nach dem zweiten Weltkrieg führte die Familie Holzmann die Gastwirtschaft im Parterre. Im Obergeschoss befand sich das Kino. Nachdem es zur dieser Zeit noch kein Fernsehen gab, war dieses Haus ein mediales Zentrum. Die Wochenschau welche jedem Film voran ging, ersetzte die heutige „Zeit im Bild“ im Fernsehen. Samstag abends und Sonntag nachmittags gab es Kinovorstellungen, welche vor allem für die jungen Menschen Informationen aus der großen Welt brachten.

Nachdem Gasthaus und Kino geschlossen wurden erwarb 1967 die Familie Raaber das Gebäude und betrieb bis 2004 eine Bäckerei und Konditorei. 1968 erfolgte die letzte umfassende Sanierung mit Restaurierung der spätbarocken Fassade, Herstellung der neuen Geschäftsportale, Erneuerung der Fenster und Abbruch und Erneuerung der Hofflügel, ausgenommen des zweigeschossigen Westflügels.

Danach stand des Haus 10 Jahre leer.

2013 erwarb Karl Maitz und der Architekt Fritz Ohnewein aus Fürstenfeld das Gebäude und sanierten es aufwendig in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde.

2015 wurde es fertiggestellt. Im Erdgeschoß befindet sich nun ein Cafehaus und im ersten Stock eine Zahnarztpraxis.

Im ehemalige Wirtschaftsgebäude befinden sich Wohnungen.

Das im Zentrum von Bad Waltersdorf liegende ehemalige Bürgerhaus mit Bäckerei ist von geschichtlicher, künstlerischer und kultureller Bedeutung. Das Gebäude stellt in seinem authentischen, seit dem 16. Jahrhundert in den wesentlichen Elementen weitgehend unveränderten Zustand ein besonders bemerkenswertes Beispiel für die bürgerliche Bau- und Wohnkultur des 18. Jahrhunderts dar und weist mit der seit dem 16. Jahrhunderts durchgängig vorhandenen Bäckergerechtsamen zudem eine besondere kulturhistorische Bedeutung auf.

Neben der Nutzung als Bäckerei ist aus kultureller Sicht auch die ehemalige Nutzung als Gasthaus und Kino hervorzuheben, wobei die Integration eines Kinos in einen Gastbetrieb als charakteristisch für die Zeit des Kinobooms nach dem zweiten Weltkrieg betrachtet werden kann.

Besonders hervorzuheben ist das Schopfwalmdach mit Kamin im First (derzeit mit Storchennest), die straßenseitige, spätbarocke Fassadengestaltung im Erdgeschoß erfolgt durch einen durch den leicht ansteigenden Geländeverlauf entstehenden Sockel, seitliche, genutete Pilaster und rechteckige, faschengerahmte Fensteröffnungen mit vorgesetzten Wellengittern (Mitte des 20. Jahrhunderts überarbeitet)

Der Eingang erfolgt über ein außermittiges, korbbogenförmiges Steinportal mit Sockel- Kämpfer- und Schlusssteinen, das durch geometrisch konturierte Felder gestaltet wird und zwei bauzeitliche, dekorierte Holztürflügel mit nach oben schwingenden Kämpfergesimse mit Schnecken und Rosette in der Mittelachse und originalen Beschlägen aufweist. Der Schlussstein zeigt die Inschrift NTO 53 1792.

Im Inneren liegt ein Kellerraum mit leicht spitzen Tonnengewölbe.

Im Erdgeschoß befinden sich Stichkappentonnengewölbe.

Die aufwendige und qualitätvolle, spätbarocke Fassadengestaltung ist als ein besonders hochwertiges Beispiel dieser Art im dörflichen Raum zu werten und ist mit ihrer wohlproportionierten Gliederung und den zeittypischen Dekorformen des späten Barocks von baukünstlerischer Bedeutung. Zudem zeugt sie von der Wertigkeit des Objektes im Ortsverband und dem Repräsentationsanspruch seiner Erbauer.

Anhand der zahlreich erhaltenen Baudetails wie Gewölbe, Fassadengestaltung oder Steinportal lassen sich gemeinsam mit den vorhandenen Ausstattungen wie Türen, Beschläge oder Stuckdecken historische Gestaltungsformen hinsichtlich Bautechnik, Materialität und baukünstlerischer Anspruch nachvollziehen. Die ebenso gut erhaltenen Raumstrukturen dokumentieren historische Wohn- und Arbeitsverhältnisse.

Das Objekt stellt mit seiner bis in das 16. Jahrhundert zurückreichender Geschichte ein unverzichtbares Dokument der historischen Ortsstruktur und der Ortsgeschichte dar und ist in seiner Lage im Ortskern direkt gegenüber der Kirche zudem von entscheidender Bedeutung für das historische Ortsbild.